Karl Kreilhuber (1932 – 2020)

Der traditionsbewusste und historisch interessierte Kern der rot-weißen Anhängerschaft gedenkt dieser Tage Herrn Karl Kreilhuber, Vorwärts-Legende aus den goldenen 50er Jahren, welcher Ende Oktober verstarb. Die nachfolgenden Zeilen sollen einen Überblick über seinen Werdegang und eine Würdigung seines großen Einsatzes für den Sportklub Vorwärts darstellen.

Karl Kreilhuber, von Freunden und Verwandten auch „Mausl“ genannt, wurde im Oktober 1932 geboren und verbrachte seine Kindheit in Sierninghofen nahe Steyr. Nach dem Ende der schrecklichen Kriegszeit trat der Sportbegeisterte 1945, kurz vor seinem dreizehnten Geburtstag, dem eben erst gegründeten Sportverein Sierning im Rahmen des Schülerteams bei. In der Peripherie der Stadt Steyr waren zu diesem Zeitpunkt fußballerische Strukturen erst sehr wenig bis gar nicht vorhanden, es wurde allerdings mit viel Eifer vor allem die Jugend gefördert, was auch dem jungen Karl zugute kam. Er entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem schussgewaltigen Stürmer, der bald auch den Sprung in die dortige Kampfmannschaft erreichte und gute Leistungen zeigte.

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1947 begann er in den Steyr-Werken seine berufliche Ausbildung zum Werkzeug-Schlosser und hatte im Zuge dessen auch zunehmend Kontakte in Steyrer Fußballerkreise. Talentesucher des Sportklub Vorwärts, mit der Kampfmannschaft bis 1951 in der höchsten, anschließend in der zweithöchsten Spielklasse Österreichs vertreten, suchten auch regelmäßig bei kleineren Vereinen in der Umgebung nach potentiellen Verstärkungen und wurden so auf Kreilhuber aufmerksam. Zu Beginn des Jahres 1954 nahm er schließlich ein Angebot der rot-weißen Klubführung an und wechselte mit großer Freude an die Volksstraße, wo er die kommenden sieben Jahre verbringen sollte. Sein erster Einsatz ist am 7.2.1954 im Rahmen eines Aufbauspieles gegen Austria Salzburg dokumentiert – er erzielte gleich ein Tor. Genau einen Monat später kam er bereits zu seinem Debut in der Staatsliga B, vor 2000 Anhängern auf dem Vorwärtsplatz gegen Hohenau. Im Sommer musste zwar der Abstieg in die oö Landesliga angetreten werden, dank des starken Zusammenhaltes und Kampfgeistes konnte das Team allerdings den sofortigen Wiederaufstieg in die zweithöchste Spielklasse schaffen. Kreilhuber zeigte zudem auch abseits des Platzes großen Einsatz, musste er doch zu jedem Training, Spiel oder Klubabend mit dem Fahrrad anreisen. Der Landesmeistertitel 1955 war auch persönlich ein großer Erfolg.

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Mit stets vorwärts-gerichtetem Drang in den Strafraum sowie auffallender Kopfball-Stärke und Schussgewalt ausgestattet versenkte er unzählige Male das Leder im gegnerischen Netz. Er war ein geradliniger Angreifer, der nur selten herumtrickste, sondern wenn es darauf an kam, im richtigen Moment das machte, wofür er bekannt war. Die Jahre in der Staatsliga B waren auch von einem starkem Kollektiv mit bis heute klingenden Namen geprägt, in dem sich Karl Kreilhuber sehr wohl fühlte. Als Höhepunkte seiner sportlichen Karriere gab er später die Reise in die Sowjetunion 1957, sowie das 9:0 gegen den LASK 1958 an. Im Rahmen der Tournee in den Osten saß er zum ersten Mal in einem Flugzeug und trat gegen Dynamo Kiew und das B-Team der UdSSR an. Auch die Eröffnungsfeier des Sportfestivals vor 100000 Menschen im Moskauer Lenin-Stadion blieb ihm stets in Erinnerung. Beim einzigartigen Kantersieg gegen den Rivalen aus Linz glänzte er gemeinsam mit all seinen Mitspielern und erzielte vor 5000 begeisterten Anhängern stolze drei Treffer. Als ab 1959 große Umstrukturierungen im öst. Fußball im Sinne der Auflösung der Staatsliga B und Einführung der Regionalligen und damit verbunden auch zahlreiche Probleme auf viele Vereine zukamen, blieb Kreilhuber als einer der wenigen dem Sportklub Vorwärts treu und verlängerte noch um weitere zwei Jahre. Kurz vor seinem 29. Geburtstag, im Sommer 1961, beendete er schließlich seine lange erfolgreiche rot-weiße Karriere, die ihm so viele Erlebnisse brachte und auf die er, trotz seiner Bescheidenheit, bis ins hohe Alter immer mit großem Stolz zurückblickte.

Anschließend war er noch viele Jahre als Spieler und Trainer beim Arbeiter-Turn- und Sport-Verein Vorwärts Neuzeug aktiv und erfolgreich, sowie beruflich bis zu seiner Pensionierung 1987 als Werkzeug-Schlosser in den Steyr-Werken tätig.

Wenige Tage nach seinem 88. Geburtstag verstarb Karl Kreilhuber Ende Oktober 2020. DANKE für deinen jahrelangen großen Einsatz für unsere Farben! Für immer Rot-Weiß!

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Deinen Angehörigen herzliches Beileid und viel Kraft.

Michael Stockinger, November 2020

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