Drama pur! Die Saison 2006/07 inkl. Weißkirchen-Spiel

Prolog

Nach dem Durchmarsch des SK Vorwärts durch die Bezirksliga Ost gab es in der Saison 2006/07 wohl eine der ungewöhnlichsten Spielzeiten im oberösterreichischen Unterhausfußball mit einem Showdown wie in einem klassischen Hollywood-Western.

Nachdem in der Vorsaison zahlreiche Lokalduelle die Fußballplätze in und rund um Steyr füllten, war nun der SV Sierning der große Rivale der Rot-Weißen. Sonst kamen die Gegner mehrheitlich aus dem Mühlviertel und dem Großraum Linz. Neuzugänge in diesem Jahr waren unter anderem die beiden Blondschöpfe Markus Kurzböck und Manuel Schönberger, der Ex-LASK-Kicker Christoph Lichtenwagner und von Blau-Weiß-Linz kam Peter Brandl nach Steyr.

Herbst

Schon zum ersten Spiel am 11. August 2006 im Vorwärts-Stadion kommen 2200 Besucher. Gegner ist der SV Freistadt. Nach der frühen Führung der Mühlviertler gleicht Zeljko Jelica kurz vor der Pause aus. Das ist auch der Endstand in einem umkämpften Spiel.

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Nach einem glatten 3:0 Auswärtserfolg beim SV Asten kommt es schon in Runde 3 zum Heim-Derby gegen den SV Sierning. Sierning hat zwei Siege aus ebenso vielen Spielen nach Steyr mitgebracht. 4500 Zuschauer sind eine Kulisse die eher auf die österreichische Bundesliga hinweist, als auf Liga 5. Sierning stellt früh durch Hopfinger auf 0:1. Manuel Schönberger gleicht vor der Pause aus. Im zweiten Durchgang machen Ungarn-Legionär Csaba Felföldi und Thomas Schwaiger den Sack für den SVS zu. Sierning lacht von der Tabellenspitze. Vorwärts liegt, einen Rang hinter Union Weißkirchen, auf Platz 7.

In Runde 5 setzt es gegen Schwertberg die zweite Saison-Niederlage für den SKV. Danach fahren die Rot-Weißen drei souveräne Siege gegen Pichling, Putzleinsdorf und Gallneukirchen ein. Gegen SC Marchtrenk erfolgt Auswärts mit 0:4 der große Dämpfer. Inzwischen lacht Union Weißkirchen von der Tabellenspitze gefolgt vom SV Sierning. Nach einem 6:0 Heimerfolg in Runde 12 heißt der Tabellenführer aber erstmals SK Vorwärts Steyr!

Am 4. November kommt Vorwärts als führendes Team nach Weißkirchen. Jedoch steht nur die bessere Tordifferenz für die Steyrer. Auch Weißkirchen und Sierning halten bei 25 Punkten. Es ist nicht der Tag der Vorwärts. Ikanovic schießt die Schwarz-Weißen in Führung. Colic stellt nach der Pause auf 2:0. Manuel Schönberger betreibt kurz vor Spielende noch Ergebniskosmetik. Es folgt noch eine Niederlage in Freistadt und Vorwärts geht mit 6 Punkten Rückstand auf Sierning und 4 Punkte hinter Weißkirchen in die Winterpause.

Frühjahr

In der Rückrunde kommt es schon am 9. April 2007 zum Derby gegen den SV Sierning. Vorwärts liegt vor dem Spiel 3 Punkte hinter dem zweitplatzierten SVS. 4000 Zuschauern sehen dieses Match. In der 21. Spielminute verwertet Nestler einen Elfer für die Blau-Weißen. Aber schon 3 Minuten später ist Goalgetter Aldo Zela zur Stelle. 1:1. Nach der Pause macht Vorwärts mit einem Doppelschlag alles klar. Wieder Zela und dann Peter Brandl mit einem Traumtor sichern den Steyrern die 3 Punkte. Vorwärts ist jetzt vor Sierning auf Platz 2. Weißkirchen hat noch 2 Punkte Vorsprung.

In Runde 18 läuft für Union Weißkirchen erstmals Slobodan Komljenović auf. Für Serbien-Montenegro trug er 22mal den Dress der Nationalauswahl und erzielte dabei 3 Tore. Komljenović ist in Frankfurt am Main geboren. Für Eintracht Frankfurt spielte er zwischen 1992 und 1997 insg. 134 mal (5 Tore), dann wechselte er zu MSV Duisburg. Spätere Stationen waren der 1. FC Kaiserslautern, Real Saragossa und Wacker Burghausen. Von 2004 bis 2006 lief er 35mal für den TSV 1860 München auf. Was ihn genau zu einem Comeback beim nicht gerade glamorösen Klub aus Weißkirchen bewegte ist nicht überliefert.

Weißkirchen an der Traun ist nicht gerade the place to be. Etwas mehr als 3000 Seelen leben in der Gemeine im Bezirk Wels-Land. Zwischen Sipbachzell und Marchtrenk gelegen kann die Gemeinde mit der Pfarrkirche, der Klobinger Kapelle und dem „Lurl“ einer Wasserstelle beim Pfarrhofgatter bei Besuchern glänzen. Die Sport-Union Weißkirchen wurde 1962 gegründet. In den Jahren 1993 und 2000 konnten ihre Kicker jeweils den Meistertitel in der Landesliga Ost holen.

Bis Runde 20 schien die Meisterschaft in einem Dreikampf Sierning, Weißkirchen und Vorwärts entschieden zu werden. Während Vorwärts am 5. Mai in Linz keinen Ball ins Tor der DSG Union Pichling versenken konnte, gewann Weißkirchen vor 400 Zuschauern das Duell in Sierning gegen den SVS mit 0:1. Das Tor erzielte Philipp Petersdorfer in der 90.Minute in Unterzahl, da Gaffl in Minute 70 mit Gelb/Rot vom Platz musste. Auch in der nächsten Runde musste Vorwärts im Heimspiel gegen den SV Gallneukirchen Federn lassen. Burak Demir rettete kurz vor Schluss den Punkt für Rot-Weiß.

In den nächsten vier Runden holten sowohl Weißkirchen als auch der SK Vorwärts Steyr die volle Punktezahl, Sierning konnte nicht mithalten und war aus dem Titelrennen gefallen.

Am 16. Juni 2007 kam es schließlich in der allerletzten Runde zum absoluten Showdown im Steyrer Vorwärts Stadion an der Volksstraße! Die Ausgangslage war klar. Vorwärts musste gewinnen um zum dritten Mal in Serie als Aufsteiger fest zu stehen.

Der Showdown

Sitzplätze und VIP-Tickets waren seit vielen Tagen ausverkauft. Am Spieltag war nur mehr ein Kontingent von ungefähr 1000 Stehplatz-Karten erhältlich. Das Spiel war schließlich mit 7000 Zuschauern ausverkauft. Und das in der fünfthöchsten österreichischen Spielklasse.

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Vorwärts-Spielertrainer Hannes Stromberger sollte sein letztes Spiel als Spielertrainer geben. Stromberger hatte bereits 103 Matches in Österreichs höchster Spielklasse in den Beinen. Dazu kamen einige Spiele als Legionär bei Iraklis Thessaloniki in Griechenland hinzu. Stromberger kam im Winter 2006 zu den Rot-Weißen und bildete in der Bezirksliga mit seinem Kollegen Arnold Schwellensattel ein kongeniales Duo, dass den Fußball-Feinschmecker das eine oder andere Mal mit der Zunge schnalzen ließ.

Ins Stadion an der Volksstraße pilgern an diesem Tag auch ehemalige Größen des Steyrer Fußballs wie Ronald Brunmayr und Andreas Heraf. Das Spiel beginnt mit Verspätung (!), da durch den Andrang an den Toren sicher gestellt werden soll, dass niemand den Knaller der Landesliga Ost versäumt.

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Schiedsrichter Karl Stöbich pfeift schließlich seine letzte Partie an. In Hälfte eins ereignet sich wenig Bemerkenswertes. Im zweiten Durchgang stürmt Vorwärts jedoch in Richtung Südtribüne! Dann die Spielminute 52: Flanke von Markus Kurzböck. Goalgetter Amarildo Zela ist mit dem Kopf zur Stelle, überlupft den gegnerischen Goalie und es steht 1:0 für Vorwärts. Der anschließende unglaublich brachiale Jubel am Vorwärtsplatz ist grenzenlos!

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Die Freude dauert jedoch nur 12 Minuten. Bei einem Kopfballduell steigt der Weißkirchner Urbanek am höchsten. Er drückt den Ball zum Ausgleich unter die Latte. Vorwärts stürmt weiter und setzt alles auf eine Karte. In der Nachspielzeit legt Michi Mehlem alles in einen satten Schuss von der Strafraumgrenze. Doch der Fußballgott steht den Weißkirchnern bei. Irgendwie schafft es Goalie Froschauer den Ball nicht über die Linie krachen zu lassen. Es folgt der Schlusspfiff.

Es herrscht Katerstimmung. Die Vorwärts Spielern sitzen entgeistert am Rasen. Aus großer Zuversicht wurde eine grenzenlose Enttäuschung. Die Weißkirchner verzichten auf große Feiern. Sie verließen ungedusch durch den Hinterausgang das Stadion. Nie wieder werden diese Kicker vor nur einer annähernd großen Kulisse auflaufen. Für Vorwärts ist diese Saison nur ein Kapitel in einer langen Geschichte. Aber trotz des negativen Endes eine denkwürdige.

 

Samstag, 16.6.2007, 17.00 Uhr, Vorwärts-Stadion:

SK Vorwärts Steyr (4-2-3-1): Thallinger; Kurzböck, Jelica, Mehlem, Riepl; Stromberger (65. Mündler), Brandl; Schönberger, Lichtenwagner (Rabenhaupt), B. Demir (46. Schachner); Zela.

SV Union Weißkirchen (3-5-2):

Froschauer; Hackl, Höpoldseder (62. Petersdorfer), Urbanek; Mesanovic, Komjlenovic,; Gaffl, Rieder, Kraus (53. Colic); Koc (53. Eisenköck), Donchev.

Torfolge: 1:0 Zela (52.); 1:1 Urbanek (64.).

 

Epilog

Die „Kronen Zeitung“ stilisiert Vorwärts zum Kultklub, der allerdings über Spieler verfügt denen das Können fehlt. Im Stadion beobachtet auch Kurt Russ das Geschehen. Der ehemalige Teamspieler übernimmt als Trainer die Mannschaft von Hannes Stromberger, der aber zu einem späteren Zeitpunkt noch ein Kapitel in der Vorwärts-Geschichte hinzufügen sollte.

Am selben Wochenende stieg übrigens Blau-Weiß Linz von der Regionalliga Mitte in die OÖ-Liga ab. Ein Aufstieg unsererseits hätte der OÖ-Liga vermutlich einen neuen Zuschauerrekord beschert. In der Saison 2007/08 heißt das große Duell dann SK Vorwärts Steyr gegen SV Sierning. Wieder in der Landesliga Ost.

Presseschau: OÖ Krone (17.6.2007) / OÖN (18.6.2007) / Österreich (17.6.2007)

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OÖN

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