Vorwärts – Wacker Innsbruck

Wacker Innsbruck: ein Gegner, der zur Legendenbildung taugt

Im Juli empfängt der SK Vorwärts Steyr in der ersten Runde Wacker Innsbruck. Es ist das 36. Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften in einem Pflichtspiel. In Steyr erinnert man sich beim Namen Innsbruck mit wohligen Schauern an einen legendären 5:0-Sieg im Herbst 1994. Hans Krankl war damals Trainer bei den Tirolern, spionierte an besagtem Tag aber beim Europacupgegner La Coruña und freute sich am Telefon kurz über ein 5:0 in Steyr, ehe er erfuhr… und so weiter, Legendenbildung.

Vorwärts - Tirol 5:0

(Quelle: Kronen Zeitung 16.10.1994)

Man vergisst jedoch ein wenig, dass von den bisherigen 36 Spielen, davon 32 in der ersten Bundesliga, lediglich 5 gewonnen wurden. Anders gesagt: Die Chance, gegen Innsbruck zu gewinnen liegt bei knapp 1:7. 1998 hat es der Tiroler Trainer Cipro uncharmant auf den Punkt gebracht: „Wer in Steyr verliert, ist eine Lachnummer.“ Wenngleich ihm nach DEM Spiel das Lachen im Hals steckenblieb:

Viele Namen, noch mehr Wappen

Was die beiden Vereine eint: die Tradition und eine wechselhafte Geschichte, die auch Tiefen beinhaltet. Wenngleich Wacker Innsbruck – mit zehn österreichischen Meistertiteln und sieben Cuptriumphen – bei den Erfolgen eine gute Stufe oberhalb des gerade vier Jahre jüngeren SK Vorwärts zu stellen ist. Wenn wir von Wacker Innsbruck sprechen, seien zunächst einmal alle Namen angeführt, unter denen der Verein – so wie ihn die breite Öffentlichkeit wahrnimmt – bislang auftrat: Wacker Innsbruck, SSW Innsbruck, FC Swarovski Tirol, FC Tirol Innsbruck, FC Wacker Tirol. Die Enzyklopädie Wikipedia führt gleich vier Einträge zum Verein: Wacker Innsbruck (1915-1999), FC Swarovski Tirol (1986 – 1992), FC Tirol Innsbruck (1993-2002), Wacker Innsbruck (seit 2002).

Die vielen Wappen, die die wechselhafte Geschichte des Vereins entstehen ließ, sind im Wacker Archiv angeführt. 15 verschiedene sind es. Und nicht mal beim Gründungsdatum ist man sich einig. Der 760-Seiten-Schmöker „100 Jahre FC Wacker – 1913 -2013“ pflegt den Mythos vom Gründungsdatum 1913. Der besagt, dass sich in diesem Jahr die späteren Gründungsmitglieder bereits zusammengetan hätten. Verbrieft ist allerdings das Gründungsdatum 1915.

Wenn wir von Tiefschlägen sprechen, die Vereine und vor allem deren Fans erleiden, bietet sich ein Blick auf die Epoche der Tiroler ab der Jahrtausendwende an. Es bietet sich sogar der Fokus auf ein einziges Spiel an und wenn man es ganz genau nimmt, bietet sich der Fokus auf einen einzigen Torschuss in einem Spiel an, der die weitere Geschichte des Vereins prägen sollte.

Ein Lattenschuss als Todesstoß

Wir schreiben den 8. September 2001, im CL-Qualifikationsspiel von Wacker Tirol gegen Lokomotive Moskau geht es heiß her. Innsbruck führt 1:0, zum Aufstieg in die Königsklasse fehlt noch ein Treffer. Sturmläufe der Innsbrucker, es brodelt, der russische Schlussmann bringt die Tiroler zum Verzweifeln. Kurz vor Spielende hat Roland Kirchler die Entscheidung auf dem Fuß, er nimmt Maß im Strafraum, der Ball landet an der Latte, der Torjubel bleibt den Fans im Hals stecken.

Die Szene war entscheidend für das weitere Schicksal des Tiroler Traditionsklubs. Im Jahr zuvor waren die Innsbrucker in der CL-Quali an Valencia gescheitert. In diesem Jahr musste es einfach klappen, das war ganz offensichtlich die Perspektive einer mit hohen Einsätzen pokernden Clubführung.

Erfolge, auf Sand gebaut

Der FC Tirol Innsbruck war zu jener Zeit eine Macht in Fußballösterreich. 2000, 2001 und 2002 wurde man Meister, aber – wir kennen das – erst im Nachhinein schlauer. „100 Jahre Wacker Innsbruck“ betitelt diese Jahre nüchtern als „Meistertitel auf Pump“. Das wäre schon mal eine kleine Gemeinsamkeit mit dem SK Vorwärts, wobei sich die Gemeinsamkeit eher auf Pump konzentriert, Meisterfeiern blieben uns Steyrern, wie wir wissen, verwehrt.

Die Meistermacher jener Zeit in Innsbruck pumpten in diesen Jahren viele Millionen, die man nicht hatte, in einen letztlich viel zu teuren Kader. Das Ganze in der Hoffnung auf viele CL-Millionen, die man nie erhalten würde. Die Rechnung ging nicht auf. Dunkle Wolken zogen in Tirol auf. Ein Zitat aus „100 Jahre FC Wacker – 1913 -2013“:

„Der Champions League-Auftritt des FC Tirol war damit endgültig zu Ende und mit ihm die Hoffnung auf das große Geld in der Millionenliga. In der Zwischenzeit wurde laut Manager Hochstaffl ein 15 Mio.-Dollar-Deal mit amerikanischen Investoren abgeschlossen, der die angespannte Finanzlage des FC Tirol entschärfen sollte. Nun würden die Meisterkicker wohl auch endlich ihre Meisterprämien aus der Vorsaison erhalten. Mitnichten. Das Finanzierungskonzept erwies sich als Rohrkrepierer. Wie sich später herausstellte, handelte es sich lediglich um ein Kreditgeschäft, da von österreichischen Banken kein Geld mehr zu erhalten war. Und da das Geld aus Amerika partout nicht eintrudeln wollte, überwies man einfach einmal zwei Raten, dann würde das Geld schon fließen…..(??).“

2002 wurde man dennoch nochmals Meister, unter einem damals noch eher unbekannten Trainer Jogi Löw. Trotz Meisterfeier schien schon allen klar: die Lizenz würde dem Verein verweigert werden.

„Im letzten Spiel am Tivoli gegen den FC Kärnten gelang ein 3:1- Sieg. Bezeichnenderweise war nicht einmal dieses Spiel ausverkauft, 13.000 Zuschauer wollten das letzte Spiel dieser Mannschaft sehen. Die Übergabe des Meistertellers aber machte für diesen Tag alle Probleme vergessen. Eine Frist zur Auszahlung der ausstehenden Spieler-Gehälter ließ der Verein wiederholt verstreichen. Beim FC Tirol spielten sich die Verantwortlichen den Ball im Kreis zu. Präsident Bruckmüller war nicht erreichbar. Er hatte seinerzeit eine Generalhaftungserklärung unterzeichnet. Diese wollten die Vorstandsmitglieder allen voran Finanzvorstand Bloder nun einfordern. Sollten die benötigten Gelder bis zum 31.Mai nicht fließen, würden wohl ein Insolvenzantrag und der Verlust der eben erst erhaltenen Lizenz inklusive unausweichlich sein. Von dem ganzen Chaos unbeeindruckt hatte Manager Hochstaffl bereits einen neuen Spieler geholt. Mit dem Brasilianer Chiquino sollte bereits alles mündlich fixiert sein. Dann klickten die Handschellen, Manager Hochstaffel wurde verhaftet – Verdunkelungsgefahr. Auch gegen Präsident Othmar Bruckmüller und seinen Vorgänger Martin Kerscher wurde ermittelt. Der FC Tirol erhielt keine Lizenz für die nächste Bundesliga-Meisterschaft und musste in der Folge Konkurs anmelden.“

Konkurs, Lizenzentzug. Die zweite Gemeinsamkeit mit dem SK Vorwärts: Einfach mal weiter unten neu durchstarten. Zwar nicht ganz so weit unten wie der SK Vorwärts, für die Fans in Tirol aber vermutlich nicht minder schmerzhaft. Wacker Innsbruck eröffnete 2002 als regierender österreichischer Fußballmeister die neue Saison gegen den SC Kundl in der Regionalliga West. Möglich gemacht hat den Start in der Regionalliga eine Fusion mit WSG Wattens.

Neustart in der Regionalliga

Die Fans trotzten dem Schicksal recht eindrucksvoll. 4.000 pilgerten zum ersten Regionalliga-Heimspiel ins Stadion. Die Innsbrucker holten in der Saison den Meistertitel. Im Relegationsheimspiel gegen Schwechat sahen 14.000 Zuseher ein 0:0. Der Aufstieg in die zweite Bundesliga wurde ein paar Tage später in Schwechat fixiert.

Zweite Bundesliga, das Fußballmärchen wurde fortgeschrieben. Mit einer fulminanten Frühjahrsrunde fixierte Wacker Innsbruck die Rückkehr in die erste Bundesliga. 2008 ging es für zwei Jahre nochmals hinunter, die Paternosterfahrt wiederholte sich 2010 und 2014. Die vierte Saison in der zweiten Bundesliga beginnt für die Innsbrucker soeben. Vier Jahre Fußballösterreich ohne Innsbruck in der obersten Liga: das gab es seit dem Jahr 1964 noch nie, das Jahr, in dem Wacker Innsbruck erstmals in die oberste österreichische Liga aufstieg. Im Sinne des österreichischen Fußballs darf man hoffen, dass die derzeitige Durchschnittlichkeit bald eine Ende findet.

Für die Freunde der Statistik:

Von den bisher 36 Spielen gewann der SK Vorwärts 5 (davon 4 in Steyr), es gab 13 Remis (6) und 17 Niederlagen (7).

Zwei Männer erzielten in den Begegnungen für beide Teams Tore. Christoph Westerthaler und Gernot Krinner. Die besten Torschützen der beiden Teams waren:

Vorwärts: Madlener (8), Krinner (6), Vukovic (3), Waldhör (3) Westerthaler (3), Novak (3)

Innsbruck: Danek (11), Westerthaler (8), Pacult (5), Linzmaier (5), Janeschitz (5), Gilewizc (4), Krinner (3)

Lesetipp:

Wacker-Archiv

Weitere Videos:

 

Chronologie der bisherigen Pflichtspiele:

22.9.1979 SSW Innsbruck – Vorwärts 2:2 (1:0) Hanschitz, Stückler; Zinnhobler 2. 3500 Zuschauer

29.3.1980 Vorwärts – SSW Innsbruck 0:2 (0:1) Braschler, Forstinger. 4000

27.8.1988 Vorwärts – FC Tirol 0:5 (0:2) Westerthaler 3, Pacult , Linzmaier. 8000

11.10.1988 FC Tirol – Vorwärts 3:0 (1:0) Linzmaier, Pezzey, Pacult. 5000

22.7.1989 Vorwärts – FC Tirol 2:2 (0:0) Brankovic, Reiter; Gorosito, Linzmaier. 9000

30.9.1989 FC Tirol – Vorwärts 0:0. 6000

07.8.1990 Vorwärts – FC Tirol 3:3 (3:1) Madlener 2, Kocijan; Danek, Pacult, Westerthaler. 6500

28.9.1990 FC Tirol – Vorwärts 2:2 (1:1) Petrovic, Danek; Waldhör, Novak. 6500

23.3.1991 Vorwärts – FC Tirol 1:1 (0:1) Madlener; Linzmaier. 7500

17.5.1991 FC Tirol – Vorwärts 3:3 (1:0) Danek, Westerthaler, Kirchler; Madlener 2, Krinner. 3000

31.8.1991 Vorwärts – FC Tirol 2:4 (1:3) Krinner, Vukovic; Gorosito, Westerthaler, Linzmaier, Pacult. 6500

23.11.1991 FC Tirol – Vorwärts 2:1 (1:0) Pacult, Kirchler; Krinner. 3000

21.3.1992 Vorwärts – FC Tirol 2:0 (1:0) Heraf, Waldhör. 7000

13.5.1992 FC Tirol – Vorwärts 2:1 (2:1) Posch, Wazinger; Waldhör. 6000

21.8.1992 Wacker Innsbruck – Vorwärts 4:1 (2:0) Danek 4; Niederbacher. 3500

14.11.1992 Vorwärts – Wacker Innsbruck 0:0. 4500

31.3.1993 Vorwärts – Wacker Innsbruck 0:2 (0:0) Danek, Westerthaler. 2500

08.5.1993 Wacker Innsbruck – Vorwärts 0:0. 2500

28.8.1993 Vorwärts – FC Innsbruck 1:1 (1:1) Novak; Carracedo. 5000

06.11.1993 FC Innsbruck – Vorwärts 3:0 (1:0) Danek 2, Carracedo. 2500

06.4.1994 Vorwärts – FC Innsbruck 2:0 (1:0) Madlener, Vukovic. 2500

05.6.1994 FC Innsbruck – Vorwärts 4:2 (2:0) Westerthaler, Danek, Janeschitz, Baur; Novak, Kocijan. 1000

12.8.1994 FC Tirol – Vorwärts 0:1 (0:0) Krinner. 10000

15.10.1994 Vorwärts – FC Tirol 5:0 (1:0) Gröbl, Westerthaler 2, Naawu, Madlener. 6000

18.03.1995 Vorwärts – FC Tirol 2:3 (0:3) Madlener, Vukovic; Janeschitz 2, Sane. 4000

20.05.1995 FC Tirol – Vorwärts 1:1 (0:0) Stöger; Westerthaler. 1200

12.08.1995 FC Tirol Innsbruck – Vorwärts 5:1 (2:1) Cerny, Brzeczek, Streiter, Janeschitz, Silberberger; Pfister. 5500

20.10.1995 Vorwärts – FC Tirol Innsbruck 2:2 (0:1) Krinner 2; Cerny, Schiener. 3000

13.03.1996 FC Tirol Innsbruck – Vorwärts 3:0 (2:0) Brzeczek, Janeschitz, Schiener. 3000

04.05.1996 Vorwärts – FC Tirol Innsbruck 0:3 (0:2) Krinner 3. 3000

09.09.1998 Vorwärts – FC Tirol Innsbruck 2:1 (0:1) Bradaric, Schrammel; Vacha. 2500

14.11.1998 FC Tirol Innsbruck – Vorwärts 3:2 (1:2) Sabry, Hörtnagl, Jezek; Hubich, Bradaric. 1800

02.03.1999 Vorwärts – FC Tirol Innsbruck 0:1 (0:1) Gilewicz. 2000

24.04.1999 FC Tirol Innsbruck – Vorwärts 4:0 (0:0) Barisic, Gilewicz 3. 2000

Programm-SKV_SSWI

Programmheft vom Heimspiel am 29.3.1980

 

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